Geburtsberichte

Es ist wohl kein Geheimnis, dass eine Geburt nicht nach dem einen Schema X abläuft, sondern ganz individuell- von Sturzgeburt bis hin zur 48 Stunden Geburt, von Spontangeburten über eingeleitete Geburten bis hin zu Bauchgeburten, von Frühgeburten bis Geburten über dem errechneten (erratenen) Termin, von selbstbestimmter Geburt bis hin zur Geburt mit unnötigen und dramatischen Intervention…..alles ist möglich! Was uns an dem Tag X erwarten wird, kann keiner vorab sagen, doch wir können uns umfassend informieren, uns Unterstützung holen und aus meiner Sicht: extrem viel Feedback aus Geburtsberichten anderer Frauen herauslesen- egal ob diese nun positiv oder negativ sind. Jede Geburtserfahrung hat seine eigene Geschichte und lehrt uns, wie unterschiedlich eine Geburt ablaufen kann.

Aus diesem Grund findet ihr hier diverse Geburtsberichte. Zum Schutz vor Trigger, schreibe ich zum jeweiligen Geburtsbericht kurz ein paar Worte zu Beginn, sodass ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr dieses lesen wollte oder nicht!

Du möchtest deinen Geburtsbericht gerne teilen? Dann schreibe mir bitte eine kurze E-Mail- ich freue mich!

Geburtsbericht 1

Nadine Klose, 25 Jahre, 1. Kind, geboren bei 40+5 im Krankenhaus (Level 1)

Trigger: Interventionen, psychische Gewalt unter der Geburt

Es war meine erste Schwangerschaft- eine absolut erwünschte Schwangerschaft. In SSW 5+2 war ich das erste Mal beim Frauenarzt und schon dort konnte ich unser kleines Würmchen sehen. Die Schwangerschaft verlief soweit ganz gut- außer, dass ich unter heftigen Rückenschmerzen und Wassereinlagerungen litt. Am 29.07.2017 war es dann soweit- den korrigierten Termin hatte ich schon vier Tage überschritten und nun war ich am eigentlich errechneten Termin angekommen- und es passierte….nichts. So war ich bei 40+2 nochmals zur Kontrolle und wir hatten uns für einen neuen Termin zwei Tage später verabredet. Wie die Tage zuvor, hatte ich auch in der Nacht (40+3 auf 40+4) Wehen, während denen ich nur in den Pausen schlafen konnte. Dass es nun tatsächlich losgehen könnte, hatte ich mittlerweile aufgegeben. Als sich dann aber gegen 5 Uhr morgens der Schleimpropf verabschiedete war mir klar, dass es jetzt wirklich losgeht- unsere Geburtsreise begann und ich war freudestrahlend und aufgeregt zugleich. Meinen Mann (der noch friedlich im Bett schlummerte) informierte ich kurze Zeit später ebenfalls und wir entschieden uns noch vor dem Berufsverkehr in die Klinik zu fahren. Heute weiß ich, dass wir uns diesen Weg hätten eigentlich sparen können und unsere letzten Stunden zu zweit viel intensiver genießen hätten sollen- doch die Unwissenheit, Aufregung und Ungeduld hatten uns fest in der Hand. So kamen wir kurz vor 7 Uhr im Kreissaal an: wir wurden von einer sehr netten Hebamme in Empfang genommen und so wurde zuerst ein CTG geschrieben und die erste Vaginaluntersuchung durchgeführt. Fazit: Muttermund 1-2 cm, Gebärmutterhals 1 cm und Kopf schwer abschiebbar. Nach der Untersuchung durften wir selbst entscheiden ob wir nochmal heimfahren möchten oder lieber ins Wehenzimmer einziehen wollten. Wir waren ganz alleine im Kreissaal, sodass die Hebamme uns die Entscheidung überlassen hatte. Wir entschieden zu bleiben- insgeheim war meine Angst, dass die Wehen wieder nachlassen, wenn wir nach Hause fahren. Wir durften auf der Wochenbettstation frühstücken gehen, anschließend wurde ein Venenkatheter gelegt und erneut ein CTG geschrieben. Wir unterhielten uns mit der Hebamme über das weitere Vorgehen und ich entschied mich für den Einlauf. Gegen Mittag erfolgte die zweite Untersuchung: es ging voran, aber dauerte noch. Die Wehentätigkeit belief sich weiterhin auf alle 4-6 Minuten. Nachdem der Spätdienst übernommen hatte gingen wir eine Runde spazieren. Die Wehen veratmete ich zu dieser Zeit bereits und als wir ca. eine Stunde später in den Kreissaal zurückkehrten durfte ich in die Gebärwanne (diese wurde bereits eingelassen, da ich schon bei der Geburtsanmeldung äußerte, dass ich gerne in der Wanne entbinden möchte). Ich musste mich für einen Badezusatz entscheiden, von dem ich heute noch nicht weiß, was sie mir zusammen mit dem Meersalz in die Wanne gemischt hatte- vermutlich ätherische Öle, die die Wehentätigkeit angeregt haben. Mir wurde ein kabelloses CTG verpasst und ab diesem Zeitpunkt fühlte ich mich unter der Betreuung der für uns zuständigen Hebamme des Spätdienstes nicht mehr wohl. Sie wollte das CTG partout nicht so anlegen, wie ich ihr es empfohlen hatte und es auch die Hebamme aus der Frühschicht angelegt hatte. Über mehrere Wehen hinweg hat sie es dann geschafft das CTG zu anzulegen, wie sie es für richtig hielt. Mit dem Einsteigen in die Badewanne nahm die Wehenintensität drastisch zu. Die Wehendauer verkürzte sich auf 2-3 Minuten, die Wehenintensität nahm so stark zu, dass ich Probleme hatte damit zurecht zu kommen. Nach einer Stunde in der Wanne wollte ich heraus, da ich das Gefühl hatte, auf Toilette zu müssen. Als dann endlich eine Hebamme kam meinte diese nur: „Das ist ja super, das ist bestimmt der Kopf vom Baby der sich seinen Weg bahnt- bleiben Sie ruhig noch etwas in der Wanne!“- und schon war sie (eine andere Hebamme vom Spätdienst) wieder weg. Gegen 17.30 Uhr und somit nach 2 Stunden in der Badewanne kletterte ich hinaus, ging auf Toilette und es erfolgte eine weitere Untersuchung. Die Geburt schritt weiter voran, allerdings wurde ich durch die Untersuchungsergebnisse etwas eingeschüchtert. Bei 5 cm sei ich inzwischen angelangt, aber ich dachte nur: „Wie zur Hölle soll ich diese Dauerwehen und höllischen Rückenschmerzen noch mehrere Stunden ertragen- und das ohne Betreuung oder Zuspruch?“. Inzwischen füllte sich der Kreissaal und somit nahm auch die Hebammenbetreuung weiter ab- alle wirkten gestresst. Wir gingen dann nochmal Treppensteigen- allerdings kehrten wir nach 40 Minuten wieder zurück in den Kreissaal. Ich fragte die Hebamme, wie lange sie meint, dass es noch dauern würde. Ein fataler Fehler meinerseits, aber auch ihrerseits. Eigentlich hätte sie mir keine Zeitangabe machen dürfen, sondern mich bestärken, dass ich es super mache und wir bald unseren Schatz in den Armen halten dürfen- nocheinmal die Wanne anbieten, andere Positionen etc.- aber es kam nichts, einfach nichts von ihr, außer die Zeitangabe von 5-6 Stunden, die es sicherlich noch dauern würde. Ab da war für mich klar, dass ich die PDA, die ich nie wollte, doch haben will. Als ich die Hebamme fragte, welche Auswirkungen die PDA auf die Geburt haben kann, sagt sie nur, dass es keine Auswirkungen gibt (obwohl ich im Hinterkopf hatte, dass dadurch die Wehentätigkeit abnehmen kann und weitere Interventionen oft die Folge sind).Kurz nachdem wir diesen Wunsch mitgeteilt hatte, platze meine Fruchtblase auf der Toilette. Auf der Toilette hatte ich mich am Sichersten gefühlt- kaum kam ich aus der Toilette raus, war ich auch schon wieder drin. Wir sind dann in einen anderen Kreissaal umgezogen und es vergingen über 60 Minuten, bis die PDA letztlich begonnen wurde zu legen. Durch das Platzen der Fruchtblase kam nochmal mehr Druck auf den Beckenboden und es war unerträglich für das Legen der PDA ruhig sitzen zu bleiben- zumal ich die Wehen immer im Stehen veratmet hatte. Nun ja, es war 19.30 Uhr und die PDA lag. Die Untersuchung ergab eine Muttermundsöffnung von 5-6 cm und es entwickelte sich ein schier unbändiger Juckreiz durch die PDA. Ich hätte mich am liebsten blutig gekratzt. Die Wirkung der PDA setzte dann gegen 19.45 Uhr ein und ich hatte eine Pause bis 21.30 Uhr. Zwischenzeitlich wurde eine Kopfschwartenelektrode angebracht, sodass die kindlichen Herztöne dauerhaft gut aufgezeichnet werden konnten. Da die Wehentätigkeit zurück ging, wurde kurz nach 21 Uhr bereits ein Wehentropf angehängt und die Übergabe an den Nachtdienst erfolgte. Der Wehentropf wurde gesteigert, Urin wurde mittels Katheter abgelassen und ich war endlich vollständig eröffnet. Ich sollte ab 21 Uhr auch den PDA- Knopf zur Seite legen, da es erwünscht wurde, dass ich wieder Wehen bekomme und diese auch spüre und somit aktiv mitarbeiten kann. Dies hat nicht lange gedauert und ich war auf dem Stand wie vor der PDA. Die Wehen überrumpelten mich wörtlich und durch die PDA (welche aber bereits nicht mehr wirkte) durfte ich nicht aufstehen und musste dauerhaft die Wechsellagerung einhalten, da der kindliche Kopf angeblich noch nicht perfekt eingestellt war. Die Hebamme der Nachtschicht hatte mir schon bei der Übernahme klar gemacht, dass sie nur ungern in den OP möchte oder die Saugglocke auspacken will und wir ihr jetzt mehr oder weniger vertrauen mussten, damit die Geburt spontan erfolgen kann. Gegen 23.30 Uhr waren meine Wehen so unerträglich, dass ich klingelte und um Hilfe bat. Daraufhin wurde mir klar gemacht, dass sie aktuell keine Zeit für mich hat und wir doch keinen Kaiserschnitt oder Saugglockengeburt haben wollen- ich solle durchhalten, sie kommt gegen Mitternacht wieder. In diesem Moment dachte ich, ich falle vom Glauben ab, aber gut: erste Schwangerschaft, erstes Kind, erste Geburt- woher sollte ich wissen, ob ich was richtig oder falsch mache und so vertraute ich der Hebamme und veratmete meine Presswehen bis Mitternacht. Um 0.05 Uhr bei 40+5 kam die Hebamme wieder zu uns, nachdem ich erneut geklingelt hatte. Sie untersuchte mich kurz und forderte mich auf mitzuschieben. Gesagt- getan. Die Hebamme lief in der kurzen Wehenpause auf den Gang und rief der Ärztin mit den Worten „der Kopf schneidet schon ein!“. Um 0.15 Uhr ist unsere Tochter nach drei aktiven Presswehen in halbsitzender Position geboren. Nur sechs Minuten später wurde die Plazenta vollständig geboren, nachdem die Hebamme mehrmals Zug auf die Nabelschnur ausübte. Ich wurde genäht und zog in mein Patientenbett um, anschließend half mir die Hebamme beim ersten Anlegen an der Brust. Um 2.00 Uhr wurden wir auf die Station verlegt und blieben dort bis zum frühen Morgen. Nachdem der PDA- Katheter gezogen werden durfte, meine Tochter und ich noch einmal abschließend untersucht wurden traten wir den Heimweg an.

Auch wenn die Gewalt unter der Geburt nicht physischer, sondern psychischer Natur war, habe ich darunter sehr gelitten. Ich fühlte mich nicht fähig, ein Kind allein zur Welt bringen zu können, eingeschüchtert, erniedrigt und hilflos. Ich bin mir sicher, dass diese Geburt nicht so verlaufen wäre, wenn die Hebamme, welche uns im Kreissaal aufgenommen hatte die Geburt mit uns beendet hätte. Gleich zu Beginn sagt ich zu meinem Mann: “ Mit der Hebamme bin ich auf einem Nenner- mit der würde ich gerne unser Kind bekommen!“.

Was ich euch damit sagen möchte: Hört auf euer Bauchgefühl, verlangt nach einer anderen Hebamme, wenn euch die aktuell zuständige Hebamme nicht sympathisch ist. Hinterfragt Dinge, lasst euch aufklären warum dies und jenes genau jetzt notwendig ist. Nehmt eine Unterstützung mit in den Kreissaal, die eure Bedürfnisse und Wünsche kennt und sich dafür einsetzen kann- der Partner ist in dieser Situation dafür oftmals nicht der richtige Ansprechpartner- verständlicherweise!

Geburtsbericht 2

Nadine Klose, 26 Jahre, 2. Kind, geboren bei 40+4 im Geburtshaus

Trigger: Geburtskomplikation (Schulterdystokie) mit anschließend notwendigen Interventionen, Verlegung auf die Neo- Intensiv für drei Tage

Wie ich auch bei meiner ersten Tochter wehte ich Wochen vor ET vor mich hin und es machte mich verrückt. Zweimal dachte ich schon es geht los- aber nix war’s. Wir entschieden uns dieses zweite Wunder im Geburtshaus zur Welt zur bringen und ich freute mich schon Monate vor der Geburt auf diesen Tag X. Nun ja, da ich nur 6 Monate nach der ersten Geburt wieder schwanger wurde, dachte ich nicht, dass ich wieder über den Termin gehen würde. Die Schwangerschaft verlief soweit unauffällig, ich persönlich vermutete einen latenten Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) und hatte wie in meiner ersten Schwangerschaft auch mit ordentlich Rücken- und Symphysenschmerzen zu kämpfen.

Am ET (22.11) war ich nochmal bei der Gynäkologin: das CTG zeichnete Wehen im 6 Minuten Abstand auf, Muttermund fingerdurchlässig, Kind auf ca. 4000g geschätzt. Die 4 kg nahm ich aber überhaupt (trotz meines wahnsinns Bauch und dem Wissen, dass dieses Kind definitiv größer sein wird) nicht ernst. Meine Große wurde auch zu schwer geschätzt und kam dann mit zarten 3150g zur Welt. Nun ja, es verstrichen die Tage, mal mehr, mal weniger Wehen. An ET+3 beschlossen wir nach einer super guten Nacht und Vormittagsschlaf auf den ersten Christkindlmarkt zu gehen. Da die Geschäfte auch geöffnet hatten kauften wir die Zutaten für frische Pizza mit extra viel Knoblauch ein. Diese gab es dann abends mit einem kleinen Schluck Sekt, wärmer Wanne und einer Portion Liebe gemischt. So hatten wir bei der Großen an ET+3 ebenfalls die Geburt angestupst.

An ET+4 wurde ich um 03 .20 Uhr wach mit Übelkeit, Bauchkrämpfen, Durchfall, Schüttelfrost. Ich dachte nur „na toll, jetzt bekommst du noch Magen- Darm“. Aber als ich von der Toilette aufstand kam die erste Welle. Ich dachte mir nix großes dabei, da ich dieses rumwehen ja schon kannte. Trotzdem nahm ich Kontakt zur Patin auf, welche auf die Große aufpassen sollte und wir beschlossen, dass sie in die Arbeit fährt, da es ja eh noch ewig dauern würde- sollte es jetzt doch losgehen. Ich hatte um 6.00 Uhr meinen Mann darüber informiert, der dann natürlich nicht mehr schlafen konnte und kurz darauf beorderte ich die Patin zurück, da es wohl doch etwas schneller geht als gedacht. Ich bin noch in die Dusche, mir war arschkalt. Mein Mann hatte die Wohnung auf Vordermann gebracht und wurde zusehends nervös. Wehen waren sehr unregelmäßig vorhanden, zwischen 2-7 Minuten war alles dabei und ich musste sie schon veratmen und tönte dabei. Wir nahmen mit dem Geburtshaus Kontakt auf und beschlossen loszufahren, wenn die Patin da ist. Gegen 08.15 Uhr brachen wir dann auf- und meine absolute Horrorvorstellung wurde wahr: Montagmorgen, Berufsverkehr auf der Autobahn, erster Schneefall und ich in den Wehen. Naja, um 9.30 Uhr waren wir dann endlich da. Ich wurde ganz lieb empfangen und gegen 10.40 Uhr ging ich in die Wanne. Wie bei der Großen wurden die Wehen innerhalb kurzer Zeit sehr intensiv. Dennoch war es ein absoluter Traum : keine Untersuchung, kein CTG (nur regelmäßig mit Dopton). Ich durfte machen wie ich wollte und es war wie eine selbstbestimmte, traumhafte Geburt, wo Mann und Hebamme nur daneben saßen und zusahen. Ich wechselte zwischen dem Vierfüßlerstand und halbsitzender Position in der Gebärwanne. Um kurz nach 12 Uhr springt die Fruchtblase, 45 Minuten später platzt auch die Vorblase. Die zweite Hebamme, welche zur Geburt dazukommen sollte war glücklicherweise schon im Geburtshaus und kam kurze Zeit darauf zu uns in das Gebärzimmer. Eine einzige, kurze Untersuchung fand statt, als ich äußerste, dass der Kopf bald geboren wird. Ich hatte fürchterliche Wasenkrämpfe bekommen und Valerie strampelte wie wild in meinem Bauch- auf die Wehen konnte ich mich dadurch nur noch sehr schwer konzentrieren. Ich bekam Traubenzucker zu essen. Es war 13.12 Uhr, als der Kopf einschnitt und viele schwarze Haare zu sehen waren. 10 Minuten später war der Kopf geboren, dabei ist die Nabelschnur einmal straff um den Hals gewickelt gewesen. Da sich mit der nächsten Wehe nichts veränderte, wechselte ich vom Wasser ans Land, zuerst in den Vierfüßlerstand, dann in die Rückenlage, in welcher die Hebammen mit dem McRoberts- Manöver die Schulterdystokie lösten. Um 13.29 Uhr war unsere Tochter nun geboren.

Leider war sie schlapp und atmete nicht selbstständig, sodass sie mit dem Beatmungsbeutel unterstützt werden musste- die Nabelschnur war leider schon auspulsiert, sodass sie keine Versorgung mehr darüber hatte. Sofort wurde der Kindernotarzt alarmiert, abgenabelt und unter der Notfalleinheit fand die Reanimation und Beatmung statt. Zwei Minuten später waren dann endlich Herztöne hörbar, allerdings musste sie noch bei der Atmung unterstützt werden. Langsam begann sie rosig zu werden und versuchte selbstständig Luft zu holen. 8 Minuten nach der Alarmierung traf der Kindernotarzt ein und unterstützte unsere Tochter weiterhin bei der Atmung. Parallel hatte ich in dieser Zeit mit heftigen Nachwehen zu kämpfen und 17 Minuten nach der Geburt gebar ich die Plazenta. Sofort halfen mir die Hebammen beim Anziehen und ich konnte auf einem Stuhl neben meiner Tochter Platz nehmen und zusehen, während sie weiterhin versorgt wurde. Es dauerte eine Zeit bis klar war, in welche Klinik wir verlegt werden und der Inkubator ankam. Gegen 15.20 Uhr war der Inkubator endlich da und wir konnten den Weg in die Klinik antreten. Dort angekommen kam Valerie gleich auf die Neo-Intensiv, ich wurde im Kreissaal versorgt. Die zuständige Hebamme war sehr kalt und unpersönlich, drückte mir ohne Vorwarnung unsanft auf den Bauch um den Fundusstand zu notieren. Auch die Hebammenschülerin vor Ort, welche alles für die Dammnaht vorbereiten sollte wurde sehr unfreundlich von ihr behandelt. Immerhin versorgte ein netter Oberarzt vorsichtig meine Geburtsverletzungen und anschließend kam ich auf mein Zimmer. Mein Mann half mir beim abwaschen des Blutes und beim umziehen. Gegen 18-19 Uhr konnten wir dann erstmals zu unserer Tochter auf die Neo- Intensiv. Glücklicherweise konnten wir diese nach 3 Tagen und das KH nach 4 Tage verlassen. Allerdings waren diese vier Tage nicht wirklich schön oder entspannt. Alles musste nach strengen Vorgaben und Mustern erfolgen, den Darm unserer Tochter hatten sie mit diversen Medikamenten zu nichte gemacht und durch die Opiate war sie dann wie zugedröhnt, sodass wir sie zwangsfüttern mussten. Gerade wenn der Wunsch der Mutter ist, sein Kind zu stillen- nicht gerade förderlich. Wir wissen, wie viel Glück wir hatten und die Gefühle, welche wir in all dieser Zeit empfanden kann man nicht beschreiben oder nachfühlen. Mausi entwickelte sich prima und wir sind so stolz auf sie und unendlich dankbar, dass wir so ein tolles Hebammen-Team hatten. ❤ Für uns war es trotzdem die richtige Entscheidung im Geburtshaus entbunden zu haben und würden es wieder tun. Bessere oder schnellere Hilfe hätten wir nirgendwo bekommen, denn eine 1:1- Betreuung ist besonders für Notfälle dringend nötig. Für uns war es eine wunderschöne Geburt auch mit diesem Ausgang. Und ich bin stolz, dass es trotzdem so schnell ging, da es bei der Großen genau 24 Stunden dauerte. Und JA, dieses ewige rumgewehe hat einen Sinn. Genießt es, dass eure Würmer selbst so gut wissen, wann und wie und warum sie uns manchmal hinten raus noch so ärgern. Sie hat sich wohl über Wochen den Weg nach unten geebnet und ist somit schön ins Becken gerutscht.