Selbstbestimmte Geburt- Geburt ohne Interventionen

Für viele Schwangere und werdende Eltern ist klar, dass ihr Kind nach ihren eigenen Vorstellungen und Wünschen geboren werden soll- also selbstbestimmt. Doch sehr häufig verläuft die Geburt ganz anders. Oft wird die mangelnde Erfahrung und/oder Unwissen der Frau oder des Paares benutzt, um unnötige Interventionen zu ergreifen. Dazu kommt der oftmals vorherrschende Zeitmangel- zu wenig Geburtshelfer für die Anzahl der Gebärenden. Habt ihr euch schon einmal die Frage gestellt, ob eine sehr lange, selbstbestimmte und interventionslose Geburt (noch) rentabel für die Geburtsklinik ist?

Richtig- nein ist sie nicht! Aufgrund der Aspekte Zeitmangel, Hebammenmangel und Rentabilität werden in den Geburtskliniken oft unnötige und verfrühte Interventionen ergriffen. Das soll nicht heißen, dass es bei einer Hausgeburt oder Geburt im Geburtshaus keine unnötigen Interventionen zu verzeichnen gibt, allerdings ist die Interventionsrate in der außerklinischen Geburtshilfe deutlich niedriger (1:1/2:1- Betreuung, kein Zeitdruck, jede Geburt wird mit einer Pauschale vergütet- unabhängig der Geburtsdauer).

Wie hoch ist die Interventionsrate?

„Denn in Deutschland erleben nur rund acht Prozent der gesunden Schwangeren eine Geburt ohne medizinisches Eingreifen, also ohne Interventionen wie Wehentropf, Dammschnitt, Saugglocke oder beispielsweise Periduralanästhesie, kurz PDA, eine rückenmarksnahe Narkose.“ (Quelle: https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/ im Jahr 2011)

Selbstverständlich wird sich kaum jemand darüber beschweren, wenn medizinisch notwendige Interventionen ergriffen wurden, um das Leben von Mutter und/oder Kind sicherzustellen. Dennoch sollte vorab eine kurze Aufklärung erfolgen, was gleich geschehen wird und warum dies notwendig ist.

Warum werden unnötige Interventionen ergriffen?

Durch Interventionen kann die Geburt beschleunigt werden und gewinnbringend sein. Zudem bedeutet es oft: „Eine Intervention kommt selten allein!“ Die sog. Interventionskaskade ist leider keine Seltenheit!

Hierfür möchte ich gerne ein Beispiel aufführen: Aufgrund einer Wehenschwäche wird ein Mittel zur Wehenanregung (z.B. Oxytocin-Tropf) angehängt. Das künstliche Oxytocin erzeugt künstliche Wehen- oft folgt ein Wehensturm. Dadurch sind die Wehen sehr schmerzhaft und kaum erträglich, weswegen Schmerzmittel verabreicht wird. Nicht selten kommt das Ungeborene mit den künstlichen Wehen nicht klar und es kommt zur Verschlechterung der Herztöne- eine der häufigsten Diagnosen für den Kaiserschnitt.

Ein zweites Beispiel: Eine Frau liegt schon über mehrere Stunden in den Wehen und wünscht aufgrund sehr langsamen und schmerzintensiven Fortschreitens der Geburt eine PDA. Es werden Infusionen und ein Dauer- CTG angehängt. Durch die PDA ist man in seiner Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt, sodass der Urin (regelmäßig) mittels Blasenkatheter abgelassen wird. Aufgrund der PDA kommt es zum Wehenrückgang/ Wehenschwäche, weswegen ein Wehentropf angehängt wird, um diese wieder zu intensivieren. Dies kann wiederum zu einem Wehensturm führen, welche sehr schmerzhaft für die Frau ist. Bedenkt man, dass die Frau eventuell schon 20, 25 oder gar 30 Stunden in den Wehen liegt, kann man sich vorstellen, dass sie kaum noch Kraft und Energie hat. Es kommt zur mütterlichen Erschöpfung, eventuell fallen die Herztöne des Kindes immer wieder ab und es wird zur Saugglocke gegriffen- oft in Kombination mit dem Kristeller- Handgriff und/oder dem Dammschnitt.

Und dies sind nur zwei Beispiele! Jede Intervention wird extra abgerechnet und so wird auch eine Geburt zum rentablen Geschäft!

Welche Interventionen gibt es?

Dauer- CTG, venöser Zugang, Wehentropf, Eröffnung der Fruchtblase, angeleitetes Pressen, vorgeschriebene Geburtsposition, Kopfschwartenelektrode, Blasenkatheter, PDA, Dammschnitt, Vakuumextraktion (Saugglocke), Kristeller- Handgriff, Kaiserschnitt…

Wie kann ich mich vor unnötigen Interventionen schützen?

Das A & O ist die Erstellung eines Geburtsplanes und Vermittlung dieser Inhalte schon bei dem Gespräch zur Geburtsanmeldung. Zudem macht es Sinn den Partner oder eine weitere Vertrauensperson (z.B. Doula) über die eigenen Wünsche und Vorstellungen zu informieren, sodass diese als Vermittler zwischen dir und dem geburtshilflichen Personal tätig werden kann.

Eine weitere Möglichkeit ist das Abfragen von folgender Regel, die sog. „VRANNI- Regel“:

V – Vorteile: welche Vorteile hat diese Intervention?

R – Risiken: ist diese Intervention mit Risiken verbunden?

A – Alternativen: gibt es eine Alternative zu dieser Intervention?

N – Nachteile: welche Nachteile hat diese Intervention?

N – Nichtstun: was passiert, wenn wir abwarten und nichts tun?

I – Intuition: was sagt dein Bauchgefühl dazu?

Kaiserschnittrate/ Dammschnittrate/ Saugglockengeburtenrate

Informationen dazu findest du übersichtlich für fast alle Geburtskliniken in Deutschland unter folgendem Link: https://www.mother-hood.de/sichere-geburt/informationen-fuer-eltern/wie-hoch-ist-die-kaiserschnittrate.html

Links für weitere Informationen rund um´s Thema Interventionen

https://www.mother-hood.de/

https://www.greenbirth.de/

https://www.gerechte-geburt.de/